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Fri Aug 5 09:02:39 CEST 2005


Verschollene Abendmahlsszene aufgespürt
VON JOHANNES SCHMITZ, 05.08.05, 07:12h

Photo http://www.ksta.de/html/artikel/1122811430012.shtml :
Die Abendmahlsgruppe aus dem 15. Jahrhundert im Katalog des Auktionshauses


Die Kalksteingruppe aus dem Sakramentshäuschen verschwand in den 1930er
Jahren. 
Much - Karl-Josef Höller traute seinen Augen nicht: Als der Liebhaber
historischer Kunstwerke im Katalog eines Kölner Auktionshauses das Foto
einer spätgotischen Abendmahlsszene sah, hatte er ein Déjà-vu-Erlebnis. Das
ist doch „unser“ Abendmahl, war er sich sofort sicher. 

Denn als Kenner von Sankt Martinus und der Gemeindehistorie erinnerte er
sich daran, dass die Kalksteingruppe aus dem Sakramentshäuschen der Kirche
genau so aussieht. Von dort war das Original der Darstellung Jesu und seiner
Jünger bei ihrer letzten Tischgemeinschaft in den 30er Jahren gestohlen
worden und galt seitdem als verschollen. 1966 wurde die schmerzliche Lücke
mit einer Nachbildung gefüllt. Sofort eilte Karl-Josef Höller aufgeregt zu
Pfarrer Max Offermann, der nicht schlecht staunte, an einem Sonntagmorgen
schon um kurz nach acht Uhr Besuch zu bekommen. 

Für die etwa 27 mal 45 Zentimeter große Skulptur forderte das Kunsthaus ein
Mindestgebot von 6500 Euro. Zu viel für die Pfarre, um bei der Auktion
mitzubieten und die Abendmahlsszene wieder nach Hause zu holen. Also
erstatteten Offermann und seine Mitstreiter Anzeige bei der Kriminalpolizei
in Eitorf. 

Dort jedoch verlangten die Beamten zunächst Beweise dafür, dass in Much ein
solches Kunstwerk überhaupt gestohlen worden war. Nach längerer Suche im
Pfarrarchiv tauchten schließlich mehrere Dokumente aus dem Herbst 1932 auf,
die den Fall eindeutig belegen. So existiert ein Schreiben des damaligen
Bürgermeisters Egidius Stief, der den Provinzialkonservator um Mithilfe
bittet. Und auch das Protokoll einer Kirchenvorstandssitzung vom November
des Jahres bezeugt den Kunstraub.

Doch damit ging der Krimi erst richtig los. Die Kripo stellte die
Abendmahlsszene in Köln sicher und holte sie nach Eitorf. Auf Anweisung der
Staatsanwaltschaft Bonn musste sie das Kunstwerk jedoch wieder herausgeben.
Der Grund: Verjährung. Die Mucher Katholiken gaben sich jedoch noch lange
nicht geschlagen und holten sich Rat bei der Rechtsabteilung des
Generalvikariats, dem Rheinischen Amt für Denkmalpflege und einer
Anwaltskanzlei. Das Ergebnis war und blieb jedoch ernüchternd: Der Diebstahl
sei nach 30 Jahren verjährt, es bestehe keine Chance auf Rückgabe, sagten
alle Fachleute.

Unterdessen hatte die Kripo Kontakt mit dem Eigentümer des Kunstwerks
aufgenommen. Sie ermittelten, dass der Spross einer bundesweit bekannten
Unternehmerfamilie das Werk von seinem Vater bekam, der es seinerseits 1951
als Geschenk von seiner Frau erhielt. Die hatte es für den seiner Zeit
stolzen Preis von 11 000 D-Mark erworben, um ihrem Mann eine Freude zu einem
Dienstjubiläum zu machen. Da der Vertrag mit dem Auktionshaus ihn binde,
habe er keine Möglichkeit, die Versteigerung der Abendmahlsszene zu stoppen,
teilte er den enttäuschten Muchern mit.

Anfang Juli kam die Gruppe unter den Hammer. Ein belgischer Kunsthändler
ersteigerte die Skulptur, die für die Mucher eine zunehmende emotionale
Bedeutung erlangt hat. Pastor Offermann: „Als ich die historische Skulptur
bei dem Auktionshaus sah, habe ich sie gestreichelt und gesagt: Du kommst
wieder nach Hause.“ Und dieses Versprechen möchte der gebürtige Kölner gerne
halten. Zwar hatte der Theologe zunächst selbst an der Übereinstimmung des
Katalogbildes, das Höller ihm gezeigt hatte, mit der in Much gestohlenen
Kalksteingruppe gezweifelt, wie er heute gesteht. Doch mehrere Schäden, die
auf das gewaltsame Herausreißen des Kunstwerkes aus dem Sakramentshäuschen
hindeuten, machen die Mucher mittlerweile sicher, „ihr“ Abendmahl wieder
gefunden zu haben. 

Jetzt wollen sie das Werk zurück holen und an den Platz stellen, wo es seit
der Spätgotik bis zum Jahr 1932 stand.

Der entscheidende Haken ist jedoch der Preis. Denn der Händler, der in der
Nähe von Brügge seine Geschäfte mit der Kunst macht, möchte 15 000 Euro für
die Abendmahlsszene haben. „Wir haben alles versucht, aber das Recht ist
so“, fasst Gemeindemitglied Gisela Otzipka ihre Enttäuschung darüber in
Worte, dass die Skulptur wohl nur gegen viel Geld zurück nach Much kommen
wird. Um dieses Ziel zu erreichen, versucht die Gemeinde jetzt Hände
ringend, durch Spenden die Summe zusammen zu bekommen, bevor Jesus und seine
Jünger wieder verkauft werden und ihr Preis möglicherweise noch weiter
steigt. 

Wer die Pfarrgemeinde Sankt Martinus in Much dabei unterstützen möchte, die
mehr als 500 Jahre alte Abendmahlsszene nach Hause zu holen, wird gebeten
sich im Pfarrbüro oder unter 02245 / 2163 zu melden.




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