[CPProt.net] Eine Art Kunstraub, DRK-Kliniken und Charité streiten sich um ein Baselitz-Triptychon

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Fri Aug 12 18:52:54 CEST 2005


 Eine Art Kunstraub
DRK-Kliniken und Charité streiten sich um ein Baselitz-Triptychon

August 12, 2005
Von Kai Ritzmann
Plötzlich fiel jemandem auf, daß es weg war. Immerhin mißt es knapp acht mal
drei Meter, nicht gerade ein Kunstwerk, das man unbemerkt hätte verschwinden
lassen können. Als Ernst Kraas, Chefarzt bei den DRK Kliniken in Westend, im
Jahr 2001 seine Stelle antrat, vermißte er in der Eingangshalle des
Klinik-Hochhauses das eindrucksvolle Triptychon "Lebenskraft" des Malers
Georg Baselitz. Vor einer beruflichen Station in Hamburg hatte er in Westend
lange Zeit als Assistenzarzt gearbeitet und wußte daher genau um den
gewohnten Standort der drei Bildteile. Sie waren 1970 im Zuge des
Hochhaus-Neubaus als "Kunst am Bau" in Auftrag gegeben worden. 1971 ging das
Krankenhaus in die Trägerschaft der Freien Universität über, 1991 zog das
Universitätsklinikum ins Rudolf-Virchow-Krankenhaus. Und mit ihm zog das
Triptychon.

Als Kraas im Jahr 2001 seinen Dienst antrat, wußte kaum noch einer von den
Bildern und ihrem Verbleib. Man suchte im Keller, man vermutete sie in einem
Depot. Ganz falsch. Der Baselitz hing im Virchow-Krankenhaus, im Vorzimmer
des Dekans. "Kein schöner Platz", sagte sich Kraas und begann, zusammen mit
dem Förderverein der DRK Kliniken den Kampf um die "Lebenskraft".

Die Bilder seien, so die Kunstwissenschaftlerin Anne Marie Freybourg, "ein
integraler Bestandteil" des damals errichteten Neubaus. Auch der Künstler
persönlich nahm Anteil am Geschehen. Wenn sein einst 20 000 Mark teures Werk
nicht wieder an den ursprünglichen Ort heimkehre, klagte er vor Gericht,
verlange er es zurück. Baselitz unterlag, doch der Streit darum, wohin das
Triptychon gehört, ging weiter. Man schrieb Briefe ans Dekanat der Charité,
doch erhielt man von dort nur ausweichende Antworten. Auch dieser Zeitung
gegenüber wollte man sich nicht äußern.

Derzeit hängen die drei Tafeln wieder an der vertrauten Stelle. Für ein
Jahr, zum 100jährigen Jubiläum der Westend-Kliniken, hat die Charité die
Bilder ausgeliehen. Doch am 24. August läuft die Leihfrist ab. Um die
Rückreise zu verhindern, hat der Förderverein den Regierenden Bürgermeister
eingeschaltet. Denn, so viel steht fest, die Gemälde gehören dem Land
Berlin. Nun soll die Politik entscheiden.

Der Architekt des Hochhauses, Josef Kleihues, zeigte sich vor seinem Tod
noch erschüttert über den "Kunstraub". Die Empörung hält an.



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