[CPProt.net] Kunstraub in der St.-Martinus-Kirche vor fast 73 Jahren nun zum Teil aufgeklärt
MSN CPPnet (Ton Cremers)
museum-security at museum-security.org
Sun Aug 21 18:24:20 CEST 2005
Letztes Abendmahl wieder aufgetaucht
MUCH. Der Aufmerksamkeit und der Fachkunde von Karl-Josef Höller aus
Oberbruchhausen ist es zu verdanken, dass ein Kunstraub in der
St.-Martinus-Kirche vor fast 73 Jahren nun zum Teil aufgeklärt wurde. Die
damals aus dem Sakramentshäuschen in Altarnähe herausgebrochene Skulptur ist
wieder da. Ob sie aber wieder an ihren ursprünglichen Platz zurückkommt, ist
eine andere Frage, ein finanzielles Problem.
In der Nacht vom 28. zum 29. Oktober 1932 drang ein bis heute unbekannter
Täter - oder mehrere - in das Mucher Gotteshaus ein, und brach das 40
Zentimeter lange und 16 Zentimeter hohe Sandstein-Hochrelief mit der
Darstellung des Letzten Abendmahls aus dem Tabernakel. Es handelt sich um
eine wertvolle, spätgotische Darstellung, die mehr als 500 Jahre alt ist.
Bürgermeister Egidius Stief schalteten den Provinzialkonservator in Bonn
ein, der Internationale Verband von Museumsbeamten, Sitz Hamburg, erstattete
eine Diebstahlsanzeige. Die Nachforschungen der Landeskriminalpolizei
blieben allerdings ohne Erfolg. Später wurden die Ermittlungsakten der
Staatsanwaltschaft geschlossen und im Jahre 1966 ließ die Kirchengemeinde
die freie Stelle am Tabernakel mit einer Nachbildung schließen. Keiner der
Verantwortlichen dachte jemals daran, die verschollene Skulptur wieder
finden zu können. Bis, ja bis Karl-Josef Höller am 11. Juni 2005
interessiert den Katalog eines Kölner Auktionshauses durchblätterte und auf
ein Gebot zur Versteigerung einer Abendmahlszene stieß. Das ist doch unsere
Skulptur, entfuhr es ihm. Schon am nächsten Tag informierte er Pfarrer Max
Offermann und weitere Kirchenmitglieder. Vier Tage später erstattete die
Pfarrei bei der Eitorfer Polizeistation Anzeige. Und nun ging es Schlag auf
Schlag. Am 30. Juni stellte die Kripo das Kunstobjekt sicher und brachte es
nach Eitorf.
Der damalige Besitzer wehrte sich jedoch gegen diese Beschlagnahme. Die
Argumente der Juristen wurden ausgetauscht, Kommentare studiert und am Ende
entschied die Staatsanwaltschaft, dass der Besitzer die Abendmahlskulptur zu
Recht erworben hatte. Aber auch nach dieser Entscheidung gaben sich die
Verantwortlichen von St. Martinus nicht geschlagen. Sie wandten sich
unmittelbar an den Auktionator, aber der konnte oder wollte die für den 2.
Juli angesetzte Versteigerung nicht verhindern. Sie erbrachte einen
Verkaufserlös von 9760, den ein belgischer Händler zahlte, 3260 Euro mehr
als der Schätzpreis im Katalog. Der neue Eigentümer erklärte sich auf
entsprechende Rückfrage zu einem Verkauf an die frühere Eigentümerin, die
St.-Martinus-Gemeinde Much, grundsätzlich bereit, verlangt jedoch dafür
einen Betrag von 15 000 Euro. Eine groteske Situation. Die Pfarrei soll viel
Geld für eine Skulptur ausgeben, die früher in ihrem Eigentum stand und ihr
von unbekannter Hand gestohlen wurde. Aber das Bürgerliche Gesetzbuch (§
937) schützt den derzeitigen Eigentümer, daran ist nichts zu ändern. Es
bleibt also nur der Weg über den Rückkauf. Da Mittel dafür im Etat der 4930
Katholiken zählenden Kirchengemeinde nicht zur Verfügung stehen, ist St.
Martinus auf die großzügige Hilfe von Spendern angewiesen. Für Sponsoren hat
das Pfarrbüro an der Hauptstraße 11 (0 22 45 / 21 63) ein offenes Ohr.
http://www.rundschau-online.de/
More information about the CPProt
mailing list