[CPProt.net] Retten, was noch zu retten ist. Gegen den "Säurefraß in Büchern": VolkswagenStiftung unterstützt derzeit mit 210.000 Euro die konzeptionellen Vorbereitungen für den Erhalt alter Buchbestände

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Wed Sep 7 06:58:51 CEST 2005


Retten, was noch zu retten ist
07.09.2005

Gegen den "Säurefraß in Büchern": VolkswagenStiftung unterstützt derzeit mit
210.000 Euro die konzeptionellen Vorbereitungen für den Erhalt alter
Buchbestände

Es war vor gut einem Jahr die Tragödie in Weimar, die aufrüttelte. Am 2.
September brannte dort die Herzogin Anna Amalia-Bibliothek, Weltkulturerbe
der UNESCO. Rund 50.000 Bücher wurden für immer vernichtet, 62.000 Bände
durch Feuer und Löschwasser beschädigt. Am 2. September 2005 nun werden 70
Bibliotheken und Archive unter dem Patronat von Günter Grass mit der Aktion
"Deutsche Tragödien" auf die Verpflichtung hinweisen, das schriftliche
Kulturerbe zu retten. Die VolkswagenStiftung ihrerseits hat vor gut einem
Jahr der "Allianz zur Erhaltung des schriftlichen Kulturgutes" 210.000 Euro
zur "Erarbeitung einer nationalen operativen Strategie zur Bestandserhaltung
des bedrohten schriftlichen Kulturguts" bereitgestellt. Das Vorhaben steht
unter der Leitung der Bayerischen Staatsbibliothek München, weitere elf
große Bibliotheken und Archive in Deutschland sind zurzeit an diesem
Initiativkreis beteiligt. 

Es geht bei dem Projekt um eine Gesamtsicht auf die Probleme der
Bestandserhaltung. Dabei sollen alle vor 1850 erschienenen Originale
erhalten werden; bei Büchern und Dokumenten insbesondere der Zeit nach 1850
kann dies wirtschaftlich nur in einem abgestimmten kooperativen Konzept
erfolgen. Warum gerade das Jahr 1850 als zeitliche Grenze? Damals begann die
industrielle Herstellung von Papier. Diese brachte den Nachteil mit sich,
dass bei der Produktion Substanzen von realem oder potenziellem
Säurecharakter zurückbleiben - und das führt früher oder später zu einer
Zersetzung des Papiers von innen her. Schätzungen zufolge sind davon allein
in Deutschland 60 Millionen Bücher betroffen.

Da eine Erhaltung dieses Gesamtbestandes angesichts der dafür notwendigen
Mittel unrealistisch erscheint, wird mit den Geldern der Stiftung derzeit
ein Konzept erarbeitet, das Folgendes leistet: Zum einen gilt es die Frage
zu beantworten, welche Prioritäten aus bibliotheks- und
archivwissenschaftlicher Sicht zu setzen sind. Auch bedarf es einer
"Best-practice-Analyse" der zurzeit vorhandenen technischen Verfahren zur
Entsäuerung, vor allem im Massenverfahren.

Die gedruckten Werke des deutschen Sprach- und Kulturraumes werden in
Deutschland von fünf Bibliotheken, die sich mit einer Startförderung der
VolkswagenStiftung von seinerzeit 25 Millionen Mark (knapp 13 Millionen
Euro) bereits Ende der 1980er Jahre zur Arbeitsgemeinschaft Sammlung
Deutscher Drucke zusammengeschlossen haben, arbeitsteilig gesammelt. Die
Bestände Der Deutschen Bibliothek als zentraler Archivbibliothek beginnen
erst mit ihrer Gründung 1913. "Daher müssen Strukturen der Zusammenarbeit
zwischen den beteiligten Bibliotheken und Archiven aufgebaut werden, damit
in Zeiten knapper Kassen nicht an zwei Orten zugleich dasselbe Buch
'gerettet' wird", erläutert der Generalsekretär der VolkswagenStiftung Dr.
Wilhelm Krull ein wesentliches Ziel der Förderung. Des Weiteren entwickelt
eine Agentur für Kulturmarketing eine Strategie mit dem Ziel, die
Öffentlichkeit für das Problem zu sensibilisieren - nicht zuletzt in dem
Bewusstsein, dass für dieses langfristig angelegte Vorhaben möglichst
umgehend weitere Finanzierungsquellen zu erschließen sind. "Es ist klar,
dass bei einem Projekt dieses Ausmaßes die Mittel der öffentlichen Hand
nicht ausreichend können", sagt Krull. "Hier ist die Bürgergesellschaft
gefordert, sich auch finanziell für die Bewahrung ihres kulturellen Erbes
einzusetzen."

Wie findet man nun jene Dokumente, die einer Rettung dringend bedürfen?
Neben der Bedeutung des Inhalts und der Bedeutung für die Sammlung sollen
sie bevorzugt nach der Häufigkeit ihrer Benutzung ausgewählt werden. Diese
Priorisierung folgt der Erkenntnis, dass Schäden weniger auf das reine Alter
eines Buches zurückzuführen sind als vielmehr auf das Ausmaß der Nutzung,
also die mechanische Beanspruchung. So versucht man zu gewährleisten, dass
zuerst die am meisten gefährdeten Originalbestände gesichert werden.

Als wesentliches Ziel des Vorhabens legt die VolkswagenStiftung Wert darauf,
dass die entstehenden Sicherungsverfilmungen an alle öffentlichen
wissenschaftlichen Bibliotheken und Archive in Deutschland zum gleichen
Preis und möglichst kostengünstig abgegeben werden. 

Zur VolkswagenStiftung: 
Die VolkswagenStiftung ist eine gemeinnützige Stiftung privaten Rechts und
fördert Wissenschaft und Technik in Forschung und Lehre; die Geistes- und
Gesellschaftswissenschaften ebenso wie die Natur- und
Ingenieurwissenschaften und die Medizin. Sie ermöglicht Forschungsvorhaben
in zukunftsträchtigen Gebieten und hilft wissenschaftlichen Institutionen
bei der Verbesserung der strukturellen Voraussetzungen für ihre Arbeit.
Besondere Aufmerksamkeit widmet sie dem wissenschaftlichen Nachwuchs sowie
der Zusammenarbeit von Forschern über disziplinäre und staatliche Grenzen
hinweg. Die Stiftung verfügt derzeit über ein Kapital von rund 2,3
Milliarden Euro, das sie so ertragreich und nachhaltig wie möglich anlegt.
Sie ist wirtschaftlich autark und in ihren Entscheidungen autonom. In den 43
Jahren ihres Bestehens hat sie gut drei Milliarden Euro für rund 28.000
Projekte bewilligt; pro Jahr stellt sie bis zu 100 Millionen Euro für neue
Vorhaben bereit. Das aktuelle Förderangebot und die in den einzelnen
Förderinitiativen bewilligten Vorhaben sind zu finden im jetzt erschienenen
Jahresbericht 2004 und unter www.volkswagenstiftung.de.

Die Stiftung hat wiederholt - wie eingangs beschrieben für die Sammlung
Deutscher Drucke - Mittel für infrastrukturelle Vorhaben bereitgestellt,
darunter auch 5,5 Millionen Euro für das Handbuch Historischer Buchbestände
und knapp 17 Millionen Euro für die Initiative "Archive als Fundus der
Forschung".

Kontakt

VolkswagenStiftung
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Dr. Christian Jung
Telefon: 0511 8381 380
E-Mail: jung at volkswagenstiftung.de
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Der Text der Presseinformation steht im Internet zur Verfügung unter 
http://www.volkswagenstiftung.de/presse-news/presse05/24082005.pdf  






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