[CPProt.net] Germany: Statt wertvoller Gemälde erbeuten Angeklagte nur Kopien
MSN CPPnet (Ton Cremers)
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Fri Sep 9 05:56:49 CEST 2005
Statt wertvoller Gemälde erbeuten Angeklagte nur Kopien
September 9, 2005
Mit in Unkel gestohlenen Bildern von Rubens und Rembrandt wollten zwei
Handwerker ihre Schulden loswerden
Unkel/Koblenz. (ln) Weil die Schulden ihnen über den Kopf wuchsen, brüteten
ein 46-jähriger Steuerfachgehilfe und ein 45-jähriger Dachdeckermeister
einen Coup aus, der an Dreistigkeit wohl nur schwer zu überbieten ist. Das
Unternehmen ging gründlich daneben. Die Schulden sind geblieben, ein
Unbeteiligter schwerverletzt.
Außerdem drücken die beiden gemeinsam mit drei mutmaßlichen Kumpanen jetzt
die Anklagebank beim Landgericht Koblenz. Die Vorwürfe der
Staatsanwaltschaft reichen von Amtsanmaßung über versuchten Diebstahl bis
hin zu gefährlicher Körperverletzung.
Rückblick: Die beiden Hauptangeklagten hatten erfahren, dass sich in Unkel
zwei Ölgemälde von Rubens und Rembrandt in Privatbesitz befinden sollen.
Würde man in den Besitz der millionenschweren Gemälde gelangen, wäre man die
finanziellen Sorgen mit einem Schlag los. Gesagt, getan.
Laut Anklage gewannen sie einen 47-jährigen Metallbaumeister und einen
50-jährigen Kfz-Mechaniker für die Tat. "Für geliefertes Baumaterial hatte
ich noch Geld von einem der beiden zu kriegen. Und so habe ich mich bereit
erklärt, die Bilder zu klauen. Allerdings habe ich es strikt abgelehnt,
Gewalt anzuwenden", beteuerte der 47-Jährige am Donnerstag.
Mit gefälschten Polizeiausweisen und einem ebenso falschen
Durchsuchungsbeschluss hätten die beiden Mitte Dezember des Jahres 2001 das
Anwesen in Unkel aufgesucht. Unter dem Vorwand, dass es sich bei den
Gemälden um Beutekunst handele, forderten sie deren Herausgabe, da die
Kunstwerke zu beschlagnahmen seien.
Als die Eigentümerin sich jedoch geweigert habe, die Bilder herauszugeben,
und ihren Sohn aufgefordert habe, die Polizei zu benachrichtigen, hätten die
beiden unverrichteter Dinge den Rückzug angetreten.
Trotz der Pleite rückten die beiden Hauptangeklagten jeoch nicht von ihrem
Plan ab. Diesmal sollen sie laut Anklage einen 25-jährigen Kfz-Mechaniker
und eine bis heute dem Gericht nicht bekannte Person angeheuert haben, um
die Gemälde notfalls mit Gewalt zu entwenden.
Vier Wochen nach dem fehlgeschlagenen Versuch brachen die beiden in das
Anwesen in Unkel ein. Mit Knüppeln schlugen sie den Sohn der Hausherrin
bewusstlos, nahmen die Gemälde an sich, flüchteten mit einem Wagen und
übergaben die Beute an den 45-jährigen Dachdeckermeister. Der wiederum gab
die Kunstwerke an den 50-Jährigen weiter, der bereits an der
Polizistennummer beteiligt gewesen war, und die Bilder nun verstecken
sollte.
Auch wenn die beiden Drahtzieher die Gemälde mittels roher Gewalt doch noch
an sich gebracht hatten, kam ihnen die Polizei schließlich auf die Spur. Und
so gibt es am Ende nur Verlierer. Die Knochenbrüche und Platzwunden des mit
Knüppeln übel zugerichteten Opfers sind längst verheilt, doch unter den
psychischen Folgen des brutalen Überfalls leidet der junge Mann bis heute.
Die beiden Drahtzieher müssen mit einer empfindlichen Strafe rechnen. Zwar
sind die vermeintlichen Meisterwerke bis heute verschwunden. Zum Tilgen
hoher Schulden hätten die Gemälde jedenfalls nicht getaugt.
Laut Einschätzung eines Sachverständigen handelt es sich dabei nämlich um
Kopien aus der Zeit von 1880 bis 1910 mit einem Schätzwert von 1 000 bis 1
500 Euro.
(09.09.2005)
http://www.general-anzeiger-bonn.de/
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